Alexander Schaufler

Alexander Schaufler

Mitten in der Promotion - bald in der Wirtschaft? Alexander Schaufler, Promotionsstudent am Lehrstuhl für Kontinuumsmechanik, muss sich genau diese Frage stellen und gibt weitere Einblicke in seinen Arbeitsalltag.

Unsere Absolventen im Job –
YOUNG PROFESSIONALS

Mein Job
Ich arbeite am Lehrstuhl für Kontinuumsmechanik. Dort entwickeln wir numerische Modelle auf Basis der Kontinuumsmechanik für unterschiedliche Fragestellungen. In meinem Fall ist das ein Prozess im maschinellen Tunnelbau, konkret geht es da um die Ringspaltverpressung!

Mein Abschluss
Ich bin Diplom-Maschinenbauer mit der Vertiefung „Angewandte Mechanik“ und schreibe zurzeit an meiner Dissertation.

Berufsalltag
Wir schauen uns an, welchen Prozess wir modellieren möchten und wie wir da herangehen. Dann überführen wir den Prozess in ein mathematisches Berechnungsmodel, erstellen daraus Simulationen und validieren diese z.B. mit Hilfe von Experimenten. Anschließend können wir Prognosen für komplexe Fragestellungen machen, welche mit Handrechnungen nicht möglich sind.

Anwendung im Alltag
In meinem Fall hat es einen ganz konkreten Anwendungsbezug – im Sonderforschungsbereich 837 der DFG „Interaktionsmodelle im maschinellen Tunnelbau“. Es handelt sich um ein Verbundforschungsprojekt von verschiedenen Ingenieursdisziplinen - viele Bauingenieure, Maschinenbauer aber auch Geophysiker sind dabei, um den Themenbereich des maschinellen Tunnelbaus in ganz unterschiedlichen Projekten abzudecken. Dafür liefere ich einen kleinen
Baustein, der dann in eine Gesamtsimulation zusammengebaut wird, um
Tunnelbau effizienter zu machen.

Aktuelle Herausforderungen
Meine Dissertation. Ganz klar!

Industrie oder Uni?
Ich bin jetzt gerade in der Phase, in der genau diese Fragestellung ganz akut ist. Beide Seiten haben ihren Reiz. Als Forscher kann man sich austoben, hat Freiheiten und kann sich selbst Problemen stellen, die man interessant findet und lösen. Wirkliche Forschung, also!
Die Industrie hat aber auch ihre Vorteile. Du siehst, was du erstellst. Das kann dann auch etwas ziemlich Fundamentales, Großes, sein und das ist beeindruckend. Bei meinem Praktikum bei einem Turbomaschinenbauer bin ich mit den Mitarbeitern durch die Hallen gegangen und jeder hatte einen ganz persönlichen Bezug zu diesen Maschinenteilen. Das ist schon spannend!

Die Geld-Frage. Wird in der Forschung schlecht bezahlt?
Das gleicht sich bei uns immer mehr an. Natürlich ist es nach wie vor so, dass Ingenieure gesucht werden. Dass die Bezahlung in der Industrie relativ gut ist, aber es gibt auch in der Forschung durchaus Felder, wo man gut verdient.

Werden Ingenieure gut auf wissenschaftliche Arbeiten vorbereitet?
Ja. Zum einen haben wir Praktika, die dann in Versuchsprotokollen enden. Das Protokoll besteht aus einer 10- bis 15-seitigen Arbeit, die schon einen ersten wissenschaftlichen Charakter hat. In meinem Fall als alter Diplomstudent: Es gab die Studienarbeit, die ich in einem externen Unternehmen angefertigt habe. Da kommt man mit wissenschaftlichen Werken in Kontakt. Dann gibt es noch die Projektarbeit und schließlich die Diplom- bzw. heute die Masterarbeit. Also hat man schon den Bezug und wird für solche Arbeiten sensibilisiert.

Wenn man promoviert, ist es nicht so, dass man einige Jahre reine Forschung betreibt und zum Schluss die gesamte Arbeit vom Anfang bis Ende niederschreibt. Vielmehr verfasst man während der Promotionszeit bereits kürzere wissenschaftliche Veröffentlichungen und diese sind dann beim Erstellen der Dissertation sehr hilfreich.
Das Schöne an den Ingenieurswissenschaften ist, dass die Arbeit sehr vielfältig ist und man dabei etwas Neues erschafft. In meinem Fall numerische Modelle.

Der Blick zurück. Das Studium – die richtige Entscheidung?
Auf jeden Fall! Und es war auch relativ gut organisiert. Ich fühlte mich dadurch auf jeden Fall gut vorbereitet für die Promotion, die auch mehr oder weniger nahtlos ineinander überging. Nachdem ich am letzten Tag meines Studiums meine Diplomarbeit abgegeben habe, bin ich am nächsten Tag zum gleichen Schreibtisch gekommen und war dann Promotionsstudent. Ich würde das wieder so machen!

Lehre oder Forschung?
Lehre muss man sehr differenziert betrachten. Es gibt sehr schöne Veranstaltungen, bei denen man in kleinen Gruppen unterrichten kann, wo die Studenten interessiert sind und bereits Voraussetzungen mitbringen. Das macht Spaß. Die Einführungsveranstaltung, bei der man sehr viele Studierende durch eine Veranstaltung „schleusen“ muss, ist schon eine große Herausforderung. Ich sehe Lehre aber nicht nur als unbedingte Pflicht neben der Forschung, um meine Semesterwochenstunden zu erfüllen. Es ist auf jeden Fall mehr, mein wertvoller Beitrag für die Universität – und ohne geht es nicht!

Vorurteil: „Fachidiot!“ – Können Maschinenbauer auch Kultur und Sport?
Schwierige Frage, wenn man gerade an seiner Dissertation schreibt.(lacht) Ich gehe viel mit Freunden raus, spiele Badminton, ich fahre Fahrrad und mache Cross-Golf, führe also auch ein normales Leben.

Zeitverträge an Universitäten – Fluch oder Segen?
Meine Zeit hier ist begrenzt, das ist auch gut so. Mein Chef hat die Meinung, dass man einem Promotionsstudenten irgendwann nicht mehr viel beibringen kann. Heißt: Um sich weiterzuentwickeln sollte man sich neuen Herausforderungen stellen. Ob man dann in der Forschung bleibt oder in die Wirtschaft wechselt, ist zweitrangig, aber man wird nicht am gleichen Lehrstuhl, an dem man promoviert hat, sein ganzes Leben bleiben. Ich finde, so lange die Promotion fair abgedeckt ist, ist es absolut in Ordnung. Wenn man einen Arbeitsvertrag über die Promotionsdauer bekommt und man genau weiß, dass man in einigen Jahren fertig ist und es dann weiter geht, ist das ok.


ALLES ING! Young Professionals beinhalten Portraits von RUB-Alumni der Ingenieurwissenschaften und zeigen beispielhafte Karrierewege. Insbesondere der Jobeinstieg nach dem Studium bzw. der Promotion stehen hier im Vordergrund.

Interesse selbst Erfahrungen weiterzugeben? Mit Ihrem Karriereweg oder dem Hinweis auf neue Persönlichkeiten aus Forschung und Industrie? Schreiben Sie uns eine E-Mail. ing@rub.de!