Bianca Will



Dr.-Ing. Bianca Will erforscht Hochfrequenzsysteme. In ihrer Freizeit erkundet sie neue Pfade, fernab der Technik.

Who is Who
Persönlichkeiten an der RUB

Mit Nervenkitzel und Fleißarbeit

Dr.-Ing. Bianca Will ist Nachwuchswissenschaftlerin am Lehrstuhl für Hochfrequenzsysteme der RUB. Aufgewachsen im Norden von Hessen, kannte sie das Ruhrgebiet vorher nur aus dem Film „Bang Boom Bang“. Mittlerweile schätzt sie das Ehrliche und Direkte der Menschen hier. Als Ingenieurin arbeitet sie hochgradig lösungsorientiert. Ein Modell, das sich für sie nicht nur im Wissenschaftsbetrieb, sondern auch auf einer Ackerparzelle in Bochum-Riemke auszahlt.

ALLES ING!: Sie forschen im Bereich der Hochfrequenztechnik. Was kann der Laie sich darunter vorstellen, wo liegt Ihr fachlicher Schwerpunkt und wie sieht Ihr Alltag aus?
Bianca Will: „Hochfrequenztechnik umgibt uns überall – sobald wir mit dem Handy telefonieren, bei Messverfahren in der Industrie oder wenn wir Signale aus dem All abhören. In meiner Promotion habe ich eine spezielle Sonde zur Feuchtemessung entwickelt. Im Moment machen wir die marktreif. Wenn alles klappt, können Geologen schon bald mit einer nur bleistiftgroßen Sonde den Feuchtgehalt im Boden messen. Ein zweiter Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Kalibrierung. Hier entwickeln wir Algorithmen, um Messgeräte in Laboren möglichst genau zu machen. In meinem Berufsalltag wechseln sich Forschung und Lehre immer wieder ab. Gerade in der Vorlesungszeit und in Prüfungsphasen habe ich viel mit den Studierenden zu tun. Junge Menschen in ihrem Werdegang zu unterstützen und zu begeistern, macht mir richtig Spaß. Da stecke ich viel Energie rein.“

ALLES ING!: Wie genau läuft so ein Forschungsprozess ab? Welche Phase schätzen Sie am meisten?
Bianca Will: „Am Spannendsten ist eigentlich immer der Anfang, also der Moment, in dem neue Ideen entstehen. Wir diskutieren am Lehrstuhl viel, 99 Prozent davon verwerfen wir auch schnell wieder. Aber manchmal ist da eine Idee, bei der man das Gefühl hat ‚Das könnte funktionieren!’. Und wenn man loslegt, die erste Simulation startet und dann auf das erste Ergebnis wartet, ist das total spannend. Anschließend weiß man, ob diese Idee Potenzial hat oder nicht. Der Rest ist dann im Prinzip nur noch Optimierung. Der nächste Nervenkitzel kommt, wenn man später die erste gefertigte Schaltung in den Händen hält. Da kriegt man auch immer Herzklopfen. Dazwischen liegt aber vor allem viel Fleißarbeit. Zeitlich kann dieser Gesamtprozess stark variieren. Bei meiner Promotion habe ich beispielsweise erst mal zwei Jahre bis zur ‚zündenden’ Idee gebraucht.“



ALLES ING!: Die Entwicklungszeiträume brauchen also Zeit, was fordert das von Ihnen als Wissenschaftlerin?
Bianca Will: „Ich habe ein großes Durchhaltevermögen. Wenn ich etwas anfange, bringe ich es auch zu Ende. Das ist wichtig, denn es kann schon mal sein, dass in der Forschung ein halbes Jahr lang nichts Aufregendes passiert. Diese Durststrecken gehören dazu. Aber dann kommt die entscheidende Idee, das motiviert für eine lange Zeit. Und wenn auf einer Konferenz ein anderer Forscher auf einen zukommt und zum Endergebnis gratuliert oder sogar über eine Zusammenarbeit nachdenkt, bestärkt mich das in meiner Arbeit. Die richtig kreativen Momente finden übrigens meist morgens beim Kaffee im Kreis der Kollegen direkt am Whiteboard statt. So eine Stunde kann mehr bringen als eine Woche intensives Nachdenken. Das ist etwas sehr Wertvolles. Die soziale Komponente sowohl in der Forschung als auch in der Lehre ist für mich sehr wichtig.“

ALLES ING!: Als Wissenschaftlerin sind Sie in ihrem Bereich noch immer eine Ausnahme. Wie gehen Sie damit um, machen Sie etwas anders als die Männer?
Bianca Will: „Ich wette, ich rede mehr.“ (lacht) „Ansonsten ist mir nie bewusst ein Unterschied aufgefallen. Es ist sicherlich so, dass ich auffalle und in Erinnerung bleibe. Wir sind vielleicht nur zwanzig PostDocs bundesweit, die sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigen. Darunter bin ich die einzige Frau. Ich bin aber voll akzeptiert und werde überall offen aufgenommen. Vielleicht ist es auch einfach so, dass Ingenieure in erster Linie Ingenieure sind. Soll heißen: Unabhängig vom Geschlecht verbindet die pragmatische und lösungsorientierte Arbeitsweise. Schwierig ist es manchmal mit der Frauenförderung, auch wenn das paradox klingt. Etwa wenn es hintenrum heißt: ‚Die hat das Projekt ja nur bekommen, weil sie eine Frau ist’. Meistens muss die eigene Leistung noch ein Stückchen besser sein, damit sie überall gleichermaßen Würdigung findet.“


ALLES ING!: Frau Will , eine letzte Frage: Wohin geht es, wenn Sie mal fernab der Uni richtig durchatmen wollen?
Bianca Will: „Ich bin ganz viel draußen, wenn es zeitlich passt. Seit zwei Jahren übrigens sehr gerne auf 45 Quadratmetern Ackerfläche in Bochum-Riemke. Da muss ich Unkraut jäten und kann Kartoffeln, Möhren oder Erbsen ernten. Ein Bauer verpachtet einzelne Parzellen von April bis zum ersten Frost an Leute wie mich. Dieser Acker ist übrigens voller Doktoranden aus der Uni! Das ist ein guter Ausgleich. Außerdem gehe ich gerne wandern, so richtig mehrere Tage mit Rucksack und Zelt. Fernab der Technik. Ein Traum und eine große Herausforderung wäre es sicherlich, einmal den Appalachian Trail an der Ostküste der USA zu wandern. Er ist 3500 Kilometer lang - entweder mit ganz viel Zeit oder aber in mehreren Urlaubs-Etappen.“

ALLES ING!: Vielen Dank für das Gespräch.