Ulrike Schulte



Dr. Ulrike Schulte wechselte bewusst die Seiten - von der Wissenschaftlerin zur Geschäftsführerin einer Ing.-Fakultät.

Who is Who
Persönlichkeiten an der RUB

Selbstbewusster Wechsel

Sie kennt beide Seiten genau. Seit 2010 ist Dr. Ulrike Schulte die Geschäftsführerin der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Ihrer Aufgabe in der Verwaltung ging eine langjährige Karriere in der Wissenschaft voraus. Dann wechselte sie bewusst die Seiten. An ihrer jetzigen Position schätzt sie die große Verantwortung und den damit verbundenen Handlungsspielraum.

ALLES ING!: Was hat Ihnen der Sprung von der Forschung in die Verwaltung gebracht?
Ulrike Schulte: „Der Weg von der Forschung in die Verwaltung war für mich gar nicht so weit, wie es vielleicht wirken mag. Schon als Akademische Rätin am Lehrstuhl für Sediment- und Isotopengeologie der RUB war mein Anteil an Verwaltungsarbeit relativ hoch. Denn zuerst macht man als Wissenschaftlerin das, was gemacht werden muss. Und wenn dann noch Zeit ist, kann man sich mit Forschungsprojekten befassen. Ein großer Unterschied zu meinen bisherigen Tätigkeiten ist nun sicherlich meine Entscheidungsfreiheit als Geschäftsführerin. Vorher war ich in starke Hierarchien eingebunden. Heute ist es meine Aufgabe, Entscheidungen zu treffen oder vorzubereiten: Ein Privileg, das ich sehr genieße und das immer auch mit einer großen Verantwortung verbunden ist.“

ALLES ING!: Als Geschäftsführerin leiten sie eine Fakultät mit rund 2.000 Studierenden, 16 Lehrstühlen und vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wie sieht Ihr typischer Tagesablauf aus?
Ulrike Schulte: „Es ist ganz schwer einen Tag zu planen, weil viele Dinge kurzfristig und wenig planbar auftreten. Der Morgen beginnt meist mit einem kurzen Gespräch mit meinen Mitarbeiterinnen. Inhaltlich geht es meist um Personal-, Finanz- und organisatorische Fragen. Einen großen Bestandteil meiner Arbeit macht das Berichtswesen aus. Aktuell sind aber auch die Campussanierung, die Prüfungsverwaltungssoftware FlexNow und die Vorbereitung auf den doppelten Abiturjahrgang zeitintensive Themen. Es gibt immer viel zu tun. Sicherlich ist mein Arbeitsalltag auch durch meine Familie und meine sechsjährige Tochter geprägt. Das verlangt Flexibilität was die Arbeitszeiten angeht, kürzere und auch sehr lange Arbeitstage. Ich weiß, dass ich nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung habe, also verdichtet sich alles.“


ALLES ING!: Nach ihrem Studium haben Sie als Geologin in einem Ingenieurbüro gearbeitet, zwischenzeitlich promoviert und kehrten dann als Wissenschaftlerin an die RUB zurück. Nach zehn Jahren wechselten sie wieder die Perspektive. Wie profitieren Sie heute davon?
Ulrike Schulte: „Jeder Lebensabschnitt hat mich geprägt, stolz bin ich auf alle Stationen. Im Laufe der Jahre habe ich persönliche Arbeitsstrategien entwickelt, die mir jetzt zugute kommen. Etwa was das Zeitmanagement und die Teamfähigkeit angeht: Im Ingenieurbüro merkt man, dass Zeit in Geld umgerechnet wird. Man muss stringent mit der vorhandenen Zeit umgehen und außerdem so arbeiten, dass andere sich mit ihrer Arbeit in das Projekt einhaken können. Dieses Wissen nutze ich jetzt Tag für Tag. Aber ich weiß auch um die besonderen Belange der Wissenschaft. Anders als das ein reiner BWLer vielleicht sieht. Ich kann beispielsweise gut nachvollziehen, dass die Forscher kein Faible für Verwaltungstätigkeiten haben, wenn sie gerade ‚Feuer und Flamme’ für ein spezielles Thema sind.“

ALLES ING!: Sie haben einen intensiven Arbeitsalltag - welche Ihrer persönlichen Eigenschaften sind da gefragt und welche Momente schätzen Sie am meisten?
Ulrike Schulte: „Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen sind genauso unverzichtbar wie Offenheit und Freundlichkeit. Ich nehme keine Gegebenheit einfach als gegeben hin. Wenn mir also etwas missfällt, tue ich dagegen etwas. In meinem Job brauche ich zudem ein gesundes Selbstvertrauen und Aufgeschlossenheit, das spielt im Umgang mit so vielen unterschiedlichen Menschen eine wichtige Rolle. Hinzu kommt eine ordentliche Portion Gelassenheit – und das ist etwas, was ich erst hier zunehmend lerne. Schön sind für mich die Momente, in denen wir gemeinsam Zeit finden, intensive Arbeitsgespräche zu führen. Mit der Muße, etwas gemeinsam zu überdenken. Nicht nur die Agenda durchzurattern, sondern zu reflektieren und Neues entstehen zu lassen.“

ALLES ING!: Sie haben viele Jahre der Geologie gewidmet. Nun machen Sie etwas ganz anderes. Beschäftigt Sie das Metier manchmal denn noch, wenn nicht beruflich, dann vielleicht in ihrer Freizeit?
Da muss ich sie enttäuschen, eigentlich relativ wenig. Ich finde Steinkohle und das Ruhrgebiet mit seiner ganzen Industriekultur sehr interessant. Aber wenn ich einen Spaziergang mache und treffe dann auf verfaltetes Devon oder andere Gesteinsstrukturen, sehe ich das und nehme es wahr. Aber es reizt mich nicht, einen Hammer oder Kompass hervorzuholen und die Schichten einzumessen. Genauso geht’s mir in den Alpen: Ich finde das wunderbar, ich bin richtig gern draußen und auch gerne im Gebirge unterwegs. Aber ich erkunde nicht, welchen Metamorphosegrad das Gestein besitzt!

ALLES ING!: Frau Schulte, vielen Dank für dieses Gespräch.