Yannick Moutcho



Yannick Moutcho unterstützt andere Menschen nach Kräften, jetzt macht er seinen Master in IT-Sicherheit an der Ruhr-Uni.

Who is Who
Persönlichkeiten an der RUB

Geteiltes Wissen ist doppelte Freude

Als Yannick Moutcho von Kamerun nach Deutschland kam, war „alles anders“ als vorher. Er wanderte allein in ein Land aus, das er bislang nur aus der Krimiserie „Derrick“ kannte und dessen Sprache er zunächst nicht verstand. Der Zwanzigjährige kam in düsterer Erwartung – und traf überrascht auf viele junge Menschen. Die hätte er gar nicht erwartet, der erste Eindruck war gut. Es folgten sieben bewegte Jahre. Jetzt schreibt er seine Masterarbeit im Bereich Systemsicherheit an der Ruhr-Universität Bochum.

Im Bann der Kryptographie
Der Neuanfang war hart für ihn. Er machte Sprachkurse und verdiente sein Geld mit Putz-, Gastronomie- und Lagerjobs. Zusätzlich studierte er an der FH Dortmund, Schwerpunkt Nachrichtentechnik. Anschließend wechselte er an die RUB und schrieb sich für den Studiengang IT-Sicherheit/Netze und Systeme ein. Schon als Kind war er von Handys fasziniert. „Da war schon klar, dass die Informationstechnik mein Leben prägen wird“, so Moutcho. Heute ist es die Kryptographie, die ihn bannt. Denn die Kunst des mathematischen Ver- und Entschlüsselns sei quasi wie ein Schachspiel, sehr strategisch, verzwickt, lernintensiv und dabei überaus logisch. „Um zu gewinnen, darf man auch hier keine Fehler machen.“

Der „Club Camer“ in Dortmund war von Anfang an ein wichtiger Anlaufpunkt. „Sobald ich besser Deutsch konnte, habe ich dort anderen, die sich gemeinsam mit mir auf die Sprachprüfung vorbereiteten, beim Lernen geholfen“, berichtet Moutcho. Dass er gut mit Menschen umgehen kann, weiß er. Dass Wissen teilen Freude macht, auch. Schon als Schüler unterstützte er seine Mutter, eine Mathematiklehrerin, ab und zu im Klassenraum. Damals in französischer Sprache.


Über die Nachhilfe zur Selbsthilfe
Rund 6500 Kilometer weiter nördlich stieß er dann auf eine Anzeige. „Der Verein ‚Chancenwerk’ suchte Studierende, die Schülerinnen und Schülern Nachhilfe geben und die dann wiederum andere Kinder unterstützen“, so Moutcho. „Klar, das hat mich direkt angesprochen.“ Er bewarb sich und konnte sofort loslegen. Inhaltlich ging es auch hier um Mathe, nun aber vor allem in deutscher Sprache. Hilfe zur Selbsthilfe, Schneeball-Effekt: Das „Chancenwerk“- System funktioniert. Der Vorsitzende Murat Vural erhielt 2010 das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement. Er promoviert an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der RUB. „Dass wir beide im gleichen Gebäude arbeiten und studieren, habe ich zufällig im ersten Telefonat erfahren“, lacht Moutcho.

Das gute Gefühl, wenn es „Klick“ macht
Auf die Frage, was ihn antreibt, antwortet er: „Ich kenne das unglaublich gute Gefühl, wenn es endlich ‚Klick’ macht – sowohl bei dem, der lernt als auch bei dem, der beibringt.“ Wichtig für ihn in diesem Prozess: Einfühlsamkeit und Anschaulichkeit in der Kommunikation. Zudem eine grundlegende Wertschätzung des Verständnisprozesses und des Wissens an sich. Vor kurzem erläuterte er einem Zwillingspaar, wie sie eine Gleichung mit zwei Unbekannten lösen können. In dem Moment, als beide das System verstanden, blickte er in zwei aufrichtig dankbare Augenpaare: „Das war eine Situation, die ich nie vergessen werde“, sagt Moutcho. Seine eigenen Batterien tankt er übrigens beim Basketball-Spielen und bei Konzerten auf. Denn er hat auch eine musikalische Ader, er singt im Gospelchor "Angels Voices".

In den vergangenen Jahren hat Yannick Moutcho alleine gestemmt, was andere im ganzen Leben nicht anpacken. Er hat eine fremde Sprache gelernt, sich ein neues Leben fernab der Familie und Freunde in Kamerun aufgebaut, (schon bald) zwei Studiengänge mit großem Erfolg abgeschlossen, er engagiert sich in sozialen Projekten und unterstützt andere Menschen nach Kräften. Dafür erhielt er Ende 2012 den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an der RUB. Chapeau!

YouTube: Die „Angels Voices“ im WDR