Isabel Moscoso



Isabel Moscoso hatte die Wahl und kam von den Anden ins Revier. Sie studiert Maschinenbau an der Ruhr-Universität.

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Von den Anden ins Revier

Ihre Entscheidung war genau richtig, sagt sie heute. Isabel Moscoso kommt aus Ecuador und studiert Maschinenbau an der Ruhr-Universität Bochum. Ihr Weg aus dem Nordwesten Südamerikas mitten ins Ruhrgebiet zeugt von enormer Neugier, die über die Grenzen der Kontinente hinweg mobilisiert. Tag für Tag genießt sie es, Unbekanntes zu entdecken - und vermisst zugleich auch immer ihre Familie in der alten Heimat.

Fachbegriffe in neuer Sprache
Ihr großes Interesse gilt der Verfahrenstechnik, gerade macht sie am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen ein Praktikum und bereitet zugleich ihre Bachelorarbeit vor. Sie untersucht, wie Druck und Temperatur sich auf Ledergerbungsprozesse auswirken. „Hier lerne ich viel“, sagt Isabel Moscoso. „Technische Fachbegriffe sind eine echte Herausforderung, insbesondere dann, wenn nicht nur das Fachliche, sondern auch die Sprache neu ist.“ Nun biete sich ihr die Möglichkeit, die Theorie aus der Uni auch selbständig in der Praxis zu erproben. Das unterstütze das Verständnis enorm.

Immer wieder Koffer packen
Nach dem Abi in Quito, der Hauptstadt Ecuadors, lernte Isabel Moscoso zunächst Deutsch am Goethe-Institut, dann ging sie als Au-Pair nach Bonn. Sie kümmerte sich um die Kinder der Gastfamilie, reiste in ihrer Freizeit durch halb Europa und machte einen Intensivsprachkurs. Dort bereiteten sich damals viele auf die Feststellungsprüfung zum Studienkolleg vor. „Ich habe eigentlich nur mitgeschrieben, um zu testen, wie meine deutschen Sprachkenntnisse sind.“ Wohl sehr gut, denn wieder zurück in Ecuador, erhielt sie einen Brief, in dem stand, dass sie zugelassen sei. Wieder packte sie ihre Koffer, diesmal für eine längere Zeit.


Freunde aus aller Welt
Sie kam nach Bochum und lernte „Multikulti“ schätzen: „Im Studienkolleg bereiten sich junge Menschen aus Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten ein Jahr lang zusammen auf ihre Studienzeit an einer deutschen Uni vor.“ Es sei ganz selbstverständlich, gemeinsam zu lernen, zu kochen und sich gegenseitig zu unterstützen. „Das war neu für mich, in Ecuador ist die Gesellschaft weniger pluralistisch“, berichtet Isabel Moscoso. Die Freunde, die sie hier und später im Studium gefunden hat, ihre Wohngemeinschaft und nicht zuletzt ihr Freund sind für sie als Bezugspersonen von elementarer Bedeutung.

Gute Erfahrungen in der Fremde
Ihre Familie in Ecuador hat sie in den vergangenen Jahren nur sehr selten gesehen. Die lange Reise ist einfach zu teuer. Und obwohl sie sehr an ihrer Mutter und ihren vier Geschwistern hängt, ist Isabel Moscoso durchweg positiv gestimmt: „Sich in der Fremde einzuleben, das eigene Leben zu finanzieren, neue Freunde zu finden, Änderungen zuzulassen – das ist eine wichtige Erfahrung!“ Gut vorstellen kann sich die 24-Jährige momentan auch noch ein Auslandssemester. Die Entscheidung, was nach ihrem Masterabschluss in zwei bis drei Jahren passieren soll, hat sie aber noch nicht getroffen.