Harald Kruggel-Emden



Als Gastwissenschaftler stellte Dr.-Ing. Harald Kruggel-Emden schnell fest, wie sehr das Fachliche weltweit vereint.

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Im Ausland traf er auf große Gastfreundschaft und stellte fest, dass das Fachliche weltweit vereint. Dr.-Ing. Harald Kruggel-Emden hat an der RUB und an der Texas A&M University Maschinenbau studiert und anschließend promoviert. Dann ging er als Gastwissenschaftler nach London. Am Lehrstuhl für Energieanlagen und Energieprozesstechnik leitet er seit Januar 2013 eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppe.

ALLES ING!: Ihr Forschungsschwerpunkt gilt aktuell den Partikelsystemen. Was steckt hinter diesem Begriff?
Harald Kruggel-Emden: „Partikelsysteme sind Schüttgüter wie Holzpallets oder Kohle. Es gibt spezielle wissenschaftliche Methoden, um ihr Verhalten zu analysieren. Dieses Verständnis ist wichtig für die Prozessoptimierung und damit letztendlich die Voraussetzung für ein besseres Produkt, geringere Kosten und weniger Energieeinsatz. Im Produktionsprozess treten die Partikel häufig in Verbindung mit Gas oder Flüssigkeit auf. Bislang ist es so, dass mathematische Modelle die einzelnen Partikel in diesem Kontext auf Kugelform vereinfachen. In Wirklichkeit haben diese Teilchen aber viele Formen. Ich arbeite nun mit meinem Team daran, die Modelle in bezug auf die Partikelform, die fluidmechnischen Kräfte und die Wärmeübertragung weiterzuentwickeln.“

ALLES ING!: Sie sind für eineinhalb Jahre als Gastwissenschaftler nach London gegangen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Harald Kruggel-Emden: „Möglich gemacht hat meinen Auslandsaufenthalt die Alexander von Humboldt Stiftung mit einem Stipendium für promovierte Wissenschaftler. Dort habe ich mich mit Verfahren zur CO2-Abtrennung und der Chemical-Looping-Verbrennung auseinandersetzen können. Meine Kooperationspartner waren zwei Professoren vom Imperial College London und der Queen Mary, University of London. Insgesamt war das ein internationales Umfeld, in dem ich auf viele interessante Leute und große Gastfreundschaft traf. Das gehört zum akademischen Alltag dazu. Denn wer als Wissenschaftler Karriere macht und an unterschiedlichen Stationen weltweit arbeitet, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig die schnelle Einbindung von Gästen ist. Das prägt.“


ALLES ING!: Stichwort CO2-Abtrennung - ist Nachhaltigkeit ein Thema für Sie als Wissenschaftler?
Harald Kruggel-Emden: „Die Wissenschaft beschäftigt sich mit sehr speziellen Fragestellungen, dem gegenüber steht sicherlich auch immer ein übergeordnetes Interesse. Am Beispiel der CO2-Abtrennung: Man mag sie technisch in den Griff bekommen, auch wenn derzeit nicht alle Fragen gelöst sind. Letztendlich spielt aber die gesellschaftliche Akzeptanz eine große Rolle. Eine Technologie mag noch so sicher sein, wenn sie gesellschaftlich nicht akzeptiert ist, dann ist sie nicht umsetzbar. Juristische und ökonomische Aspekte kommen hinzu, die sicherlich in globalem Kontext zu sehen sind. Das sind Aspekte, die auch in der Forschung Berücksichtigung finden sollten. Die Ingenieurwissenschaften müssen sich in weiten Teilen an der Anwend- und der Umsetzbarkeit bestimmter Entwicklungen messen lassen. Gerade im Bereich der Energietechnik ist die Frage der ‚Sinnhaftigkeit’ wichtig.“

ALLES ING!: Wie ist es zurück an die RUB zu kehren? Unterscheidet sich der Forschungsalltag in Bochum von dem in anderen Ländern?
Harald Kruggel-Emden: „Die Rückkehr an die RUB war eine spannende Zeit. Denn wer nach längerer Zeit zurückkehrt, reflektiert sicherlich einmal mehr. Der Wechsel von London zurück nach Bochum war nicht so einschneidend. Ich war auch während meiner Londoner Zeit regelmäßig am Lehrstuhl an der Ruhr-Universität. Im Forschungsalltag habe ich keine großen Unterschiede festgestellt. Wir alle forschen an Details, schreiben Veröffentlichungen und werben Forschungsmittel ein. Und wir suchen den Austausch, ein zentraler Grund für Konferenzreisen, Forschungskooperationen und weltweite Kontakte. Die Rahmenbedingungen unterschieden sich sicherlich und die Wissenschaftskultur mag von Land zu Land unterschiedliche Akzente setzen. Aber ich glaube, dass das Fachliche eher vereint, als dass nationale Eigenheiten trennen.“

ALLES ING!: Herr Kruggel-Emden, vielen Dank für dieses Gespräch.