Maria



studiert Umwelttechnik und Ressourcenmanagement an der RUB. Bevor sie ihre Masterarbeit schreibt, wollte sie noch praktische Erfahrungen im Ausland sammeln.

Und es hat geklappt: Während des Sommersemesters 2014 macht sie ein Praktikum bei einer Firma für Apparatebau in Moskau.

Wir reisen von der RUB bis ans Ende der Welt
Globetrotter im Auftrag der Wissenschaft

до свидания! Abschied von Moskau

„Nach nur drei Monaten hieß es für mich auch schon wieder: „Koffer packen und zurück in die Heimat.“ Leider war die Zeit viel zu kurz für so eine tolle Stadt wie Moskau! Der Aufenthalt in Russland hat mir unglaublich gut gefallen und mich nicht nur sprachlich weitergebracht. Auch der Umgang mit neuen Leuten, besonders mit Kollegen, die eine ganz andere Mentalität und einen anderen Lebensstil haben, war eine wertvolle Erfahrung.

Kurz vor meiner Masterarbeit war das Auslandspraktikum genau das richtige für mich…ich konnte praktische Erfahrungen sammeln und zugleich etwas Abstand vom Uni-Alltag gewinnen, sodass ich mich jetzt in meine Masterarbeit stürzen kann. Ich kann jedem empfehlen, während des Studiums ins Ausland zu gehen, egal, ob für ein Semester oder ein Praktikum. Denn man trifft auf viele neue Leute, lernt andere Sprachen und Kulturen kennen und ist immer dabei, etwas Neues zu erleben!“


Zu Gast auf einer russischen Hochzeit

"Am Wochenende war ich auf einer Hochzeit. Bis auf die Gorko-Rufe, die das Brautpaar zum Küssen animieren, wurde leider auf alles Traditionelle (wie die Brautentführung oder Brautauslöse) verzichtet. Dafür gab es aber Unmengen an Essen, Trinken sowie Unterhaltung durch einen Tamada (Moderator) und eine Live Band. Auf der Hochzeit ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, wie sehr die Russen es lieben, Trinksprüche vorzutragen. Je heiterer der Abend wurde, desto länger wurden diese ;-). Am zweiten Tag ging es dann für die gesamte Hochzeitsgesellschaft auf eine Schiffstour raus aus Moskau. Es gab wie am Vortag viele Leckereien und Unterhaltung! Was ich insgesamt von der Hochzeit mitnehmen konnte: wenn die Russen feiern, dann aber richtig. Im angesagtesten Restaurant, mit der bekanntesten Band, dem besten Essen und den teuersten alkoholischen Getränken. Es wird an keiner Ecke gespart! Vielleicht sollte ich an dieser Stelle auch schreiben, dass das russische Volk unglaublich nett und großzügig ist. Man wird sofort in die Gemeinschaft aufgenommen und gehört quasi zur Familie :-)"


Kleine Alltagsabenteuer

"Ich hatte Euch ja bereits über ein Erlebnis in der Elektritschka berichtet…
da ich fast täglich 3 Stunden in der Bahn verbringe, gibt es hier viele lustige Geschichten zu erzählen: Anscheinend ist die Ticketpflicht zum Bahnfahren noch nicht sehr lange eingeführt, denn folgende Szene spielt sich jeden Tag ab: Das Abteil ist voll (fast jeder Platz besetzt), kaum sieht man die Kontrolleurinnen mit ihren Sicherheitsleuten in das Abteil kommen, steht mindestens die Hälfte der Passagiere auf und verlässt vor den Augen der Kontrolleurinnen das Abteil. Wenn der Zug an der nächsten Station hält steigen alle aus und veranstalten ein Wettrennen bis zum hinteren Abteil...es ist immer wieder ein Vergnügen, dabei zuzusehen XD."



Arbeit und Freizeit in Moskau

"Mein Praktikum macht mir nach wie vor Spaß und meine Kollegen sind auch nett. Da die Anreise zur Arbeit sehr lange dauert, muss ich nur dreimal pro Woche im Büro erscheinen und die restlichen Tage arbeite ich von zu Hause aus. Dadurch habe ich Zeit, die Stadt zu erkunden. Ich bin eigentlich jedes Wochenende unterwegs: Entweder erkunde ich alleine Moskau und nehme an Exkursionen teil, oder meine Gastfamilie nimmt sich Zeit für mich und zeigt mir schöne Plätze in Moskau, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut zu erreichen sind, manchmal zeigen sie auch mir bekannte Sehenswürdigkeiten außerhalb von Moskau. Für Langeweile oder Heimweh bleibt also eigentlich keine Zeit. Selbst, wenn ich mal einen Tag zu Hause bleibe, habe ich von meiner Gastfamilie unglaublich viele Bücher bekannter russischer Schriftsteller/Dichter und eine ziemlich lange Liste der besten sowjetischen Filme bekommen :-)"



Maria schickt uns Neuigkeiten aus Russland!

"Heute möchte ich etwas über meine Wohnsituation erzählen, die für Deutsche etwas ungewohnt ist. Ich wohne in einer 2-Zimmer-Wohnung (von Bekannten, die hier früher zu viert gelebt haben) im 10. Stockwerk eines 12-stöckigen Plattenbaus mit ca. 80 Wohnungen. Zum Teil leben noch einige Familien in „Kommunalkas“. Das sind Wohnungen, in denen mehrere Familien (pro Zimmer eine Familie, früher sogar mehrere Generationen) in einer Wohnung zusammen leben und sich Küche, Flur und Bad teilen. 2012 lebten 140 000 Moskauer Familien noch in solchen Kommunalkas. Der Baustil hat sich in den letzten Jahren nur wenig verändert. Der Moskauer bevorzugt Plattenbauten mit kleinen Wohnungen, um dort möglichst viele Menschen unterbringen zu können. Aufgrund des Wohnungsmangels werden teilweise die zur Chruschtschow-Zeit errichteten 5-stöckigen Häuser abgerissen, um ein Hochhaus mit mindestens 20 Etagen zu errichten. Zum Wochenende strömen dann alle Moskauer aus der Stadt Richtung Land auf ihre Datschjas. Dies hat die katastrophale Folge, dass in den Bahnen kaum Platz zum Stehen, geschweige denn Sauerstoff zum Atmen ist. Die Straßen, die aus Moskau herausführen, sind meist bis spät in die Nacht blockiert. Und am Sonntag geht der ganze Wahnsinn von vorne los…nur in die andere Richtung. Wenn man nicht stundenlang im Stau stehen oder in der Bahn zerquetscht werden möchte, sollte man immer gegen den Strom schwimmen ;-)"



Mit der Elektritschka zur Arbeit

Maria hat ihr Praktikum bei STADS Engineering in Moskau begonnen. Die Firma ist auf die Planung und den Bau von Apparaten für Lagerung, Transport und Dosierung spezialisiert. Auf ihrem täglichen Weg zur Arbeit lernt sie noch ein weiteres Berufsbild kennen:

„Das Praktikum macht Spaß, ich habe mich die letzten Wochen noch eingearbeitet und kann so langsam mit meinen Aufgaben loslegen. Da ich in Stupino wohne und in Moskau arbeite, muss ich jeden Morgen fast zwei Stunden mit der Elektritschka fahren. Bei jeder Fahrt werden einem in der Bahn Socken, Gardinen, Stifte, Blumen und viele weitere Dinge angeboten. Ich denke, dass ich in ein paar Wochen die Ware genauso gut anpreisen kann, wie ihre jetzigen Verkäufer ;-)“


Gut angekommen in Moskau!


Uns erreichen die ersten Nachrichten und Fotos aus Russland von unserer Globetrotterin Maria:

"Ich bin gut in Moskau angekommen und war auch schon am zweiten Tag auf dem Roten Platz. Die erste Woche war sehr aufregend, da in Russland alles ganz anders ist, besonders die Leute. Am 1. und 9. Mai waren hier Feiertage, am 9. Mai waren überall in den Straßen Moskaus Attraktionen und am Abend gab es insgesamt an 16 Orten in Moskau ein Feuerwerk. Moskau ist total schön!!! Hier ist alles unglaublich groß und pompös, hier übertrumpft eine Sehenswürdigkeit die andere. Was mich positiv überrascht ist, dass es hier unglaublich viele Parks gibt. Was mir noch besonders aufgefallen ist und was ich auch so ziemlich als erstes hier erlebt habe: das Chaos auf den Straßen! Auf den Straßen Moskaus und Umgebung ist es immer voll und meistens stehen/fahren die Autos kreuz und quer und dennoch bevorzugen viele Leute stundenlanges „im Stau stehen“ als mit der Bahn, z.B. zur Arbeit, zu fahren. Mit der Sprache komme ich sehr gut zurecht, bis auf die Bahndurchsagen verstehe ich eigentlich alles XD."


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Für ein Auslandspraktikum nach Russland:


Ihre Entscheidung für Russland fiel Maria nicht schwer:

„Ich habe mich für Russland entschieden, weil ich meine Sprachkenntnisse verbessern möchte und ich die russische Kultur total faszinierend finde. Russland ist ein so großes Land mit vielen Facetten und Gesichtern.“

Organisiert hat Maria ihr Praktikum bei einer Firma für Apparatebau selbst. Eine gute Planung und vor allem genug zeitlicher Vorlauf seien das A und O eines selbstorganisierten Auslandsaufenthalts während des Studiums, sagt sie. Hilfreich waren aber auch Kontakte nach Russland, ohne die es sehr schwierig gewesen wäre, einen passenden Praktikumsplatz zu finden.