Lars



Der Elektrotechnik-Student hat Bochum im März den Rücken gekehrt, um ein Semester in den USA zu studieren.

Von seinen Erfahrungen an der Drexel University in Philadelphia wird er uns während der kommenden Monate hier berichten.

Wir reisen von der RUB bis ans Ende der Welt
Globetrotter im Auftrag der Wissenschaft

Besser als jede Auswanderer-Show

Lars ist von seinem Auslandssemester in Philadelphia heimgekehrt und blickt auf viele bereichernde Erfahrungen zurück:

"Diese Erfahrung, selber einmal Ausländer gewesen zu sein und sich an eine "fremde" Kultur anzupassen, kann keine Auswanderer-Show auf RTL bieten. Insbesondere die Offenheit und Freundlichkeit der Amerikaner gibt einem immer wieder ein positives Lebensgefühl, das Gefühl, sehr willkommen zu sein. Dieses Gefühl wünsche ich mir auch für alle Besucher in Deutschland - anstatt mit Vorurteilen mit einem lockeren "Wie geht's?" begrüßt zu werden.
Wer glaubt, er hätte Selbstständigkeit in dem Moment gelernt, in dem er das Elternhaus verlässt, wird eines Besseren belehrt, wenn er das erste Mal den Kontinent verlässt. Ich empfehle jedem, eine Reise zu unternehmen, die einen so weit wie möglich durch die Welt führt."

Ein paar schöne Erinnerungen an seine Zeit in Philadelphia hat Lars bildlich für uns festgehalten:


«
»


Sportbegeisterte Amerikaner


"Amerikaner sind sehr sportbegeistert. Sie sind sogar so sportbegeistert, dass sie sich nicht (nur) für Fußball sondern für eine ganze Reihe von Sportarten interessieren: Basketball, Football, Hockey, Baseball. Damit hat also jeder Amerikaner genug Sportereignisse, sodass jede Woche des Jahres komplett gefüllt ist. Während in Deutschland die Bundesliga einmal wöchentlich einen zweistündigen Kick auslöst, kommt einem die amerikanische Sportlandschaft wie ein nicht endender Drogentrip vor. Wie, das ist nicht genug Sport? Okay, dann wird die Anzahl der Spiele eben erhöht. In einer Baseball-Saison spielt jedes Team 160 Spiele, in der NBA 32, Icehockey 32 und Football 16. Ach ja, und neben der NBA werden auch fast alle Spiele der NCAA, einer Art Collegeversion der NBA mit 82 Spielen pro Team, übertragen. Ich gehe mit John und seinem Bruder in eine äthiopische Bar, in der das Spiel Wisconsin (Johns ehemaliges College) gegen TODO gezeigt wird. Zur Halbzeit liegt Wisconsin mit 15 Punkten hinten, und wir verlassen die Bar. Zuhause schauen wir den Rest des Spiels, und Wisconsin gewinnt mit 5 Punkten Vorsprung. Was für ein Match!"



Fahrradwetter


Hier ein paar Eindrücke vom Frühling und Sommer in Philadelphia. So oft er kann, ist Lars mit dem Fahrrad unterwegs.


Ein Einblick in den Uni-Alltag in den USA:

"So ganz überzeugt mich das System hier noch nicht. Immerhin kostet ein Trimester hier 15.000$. Die Qualität der Lehrveranstaltungen liegt aber maximal 20% über der der deutschen. Außerdem ertrinkt man hier in Hausaufgaben. Für 3 CP gehe ich 3 Stunden zur Uni und mache im Schnitt 7 Stunden Hausaufgaben wöchentlich. Die Hausaufgaben hier gehen je nach Lehrveranstaltung zwischen 30 und 85% in die Note ein. Immerhin brauch ich auf diese Weise nicht oder kaum für die Klausuren zu lernen. Natürlich ist es logisch, dass (da die Hausaufgaben einen Großteil der Note ausmachen) Gruppenarbeit verboten ist – das wäre ja ein Plagiat. Und darauf wird auch in jeder Lehrveranstaltung mindestens 10 Minuten hingewiesen. Mit allen möglichen Konsequenzen. Allerdings heißt das Verbot von Zusammenarbeit gleichzeitig, dass man keine Teamkompetenzen ausbildet, und (für mich) noch viel schlimmer: Man lernt seine Mitstudenten nicht oder nur schwer kennen. In Deutschland dagegen ist Gruppenarbeit deutlich erwünscht, sie soll die Kompetenzen der Studenten bündeln, sodass sie eine möglichst breite Möglichkeit haben, den Stoff zu lernen.

Auf dem Bild seht ihr übrigens meinen Dragon-Buddy Greg, mit dem ich hier viel unternehme."


Tetris Festival in Philadelphia

In Philadelphia hatten Tetris-Fans vor Kurzem die Gelegenheit, das beliebte Spiel im Mega-Format zu spielen. Lars berichtet uns davon: "Hier fand im April bei klirrender Kälte (aber wenigstens ohne Regen) das Tetris Festival statt. Vom Art Museum aus hat man Aussicht auf einige Skyscraper. In einem dieser Hochhäuser ist in jedem Fenster eine mehrfarbige Lampe installiert, die man an dem Abend vom Art Museum aus für ein Tetris Spiel benutzen kann. Hier findet ihr ein dazu: World's Biggest Tetris Game "





Lebensmittelgrüße aus Deutschland


Lars ist nun schon eine Weile in Philadelphia und berichtet uns von den großen und kleinen Herausforderungen des US-amerikanischen Alltags - welche sich unter anderem beim Einkaufen ergeben:

"Bei meinen ersten Einkäufen habe ich das große Problem, dass ich nicht nur teilweise sondern komplett neue Lebensmittel ausprobieren muss. Ich befinde mich also zwischen Analogkäse (der stolz verkündet, 0% Fett zu beinhalten – aus meiner Sicht ein echtes Verbrechen) und „I can't believe it's not Butter“(nur 2% Fett). Die Suche nach Käse führt meistens zu einer Entscheidung zwischen Cheddar (in verschiedenen Sorten) und Mozzarella. Völlig unerwartet *ironie off* habe ich auch Philadelphia Frischkäse bekommen. Brot gibt es genug, oder besser „umhüllte Luft“. Das in Deutschland erhältliche „American Sandwich“– Toast würde hier schon als Brot mit recht hoher Konsistenz durchgehen. Bei Aldi – gibt es hier auch – finden sich neben typisch amerikanischen Nahrungsmitteln auch Artikel der Marke „Deutsche Küche“. Natürlich mit Schloss Neuschwanstein drauf. Ob die das wirklich, wie angegeben, aus Deutschland importieren oder nur das Rezept importiert haben? Oder nur das Bild von Schloss Neuschwanstein?"


Käsespätzle

Erste Eindrücke aus Philly

"Die Navigation innerhalb der Stadt ist sehr einfach. Da hier alles rechteckig ist, ist es relativ egal, welchen Weg man von A nach B nimmt. Streets verlaufen in Philly von Nord nach Süd, höhere Nummern sind im Westen. Sehr zu empfehlen ist der East Fairmount Park. Schöner Blick auf die Skyline, alles sehr grün. Chestnut und insbesondere Walnut Street sind auf unserer Seite der City der Anlaufpunkt für junge Leute. Angesagtes Viertel ist zurzeit Rittenhouse Square, etwas südwestlich von der Market Hall. Ein kleines Bonbon ist im Loew Hotel an der Ecke12th Street und Market Street versteckt: Mit den Fahrstühlen kann man bis ins 33. Stockwerk hinauffahren und Philadelphia von oben betrachten – theoretisch öffentlich zugänglich, aber sehr versteckt, dieser Aussichtspunkt.

Mein Selbstporträt ist übrigens beim Philadelphia Museum of Art entstanden. Wer erkennt den Ort? Rocky ist die Allee und dann hier die Stufen hochgelaufen, damals noch mit etwas anderer Skyline. Das erklärt auch die Läufer unten links im Bild."


Zoomen mit Doppelklick

Neue Mitbewohner

Lars ist gut in Philadelphia angekommen und berichtet uns von seiner WG, mit der er die kommenden Monate zusammenwohnen wird:

„Fran ist Argentinier und sehr freundlich, er promoviert in Mathe und ist 29 Jahre alt. Sarah studiert Sexualkunde auf Lehramt. Allerdings ist das relativ einzigartig in den USA, denn ansonsten wird das Thema wie bei uns in anderen Unterricht eingereiht. Der letzte Mitbewohner ist John. Er spricht einen ziemlich starken amerikanischen Slang, allerdings spricht er langsam, weshalb ich ihn dennoch sehr gut verstehe. Er ist 23 und studiert Veterinärmedizin. Der Hund meiner Mitbewohnerin (Buddy) tut übrigens nur so lieb. Kaum ist Sarah verschwunden, erwische ich ihn dabei, wie er Brötchen in einem Plastikbeutel klaut. Evil dog! Weitere Eindrücke aus meiner neuen Wohnung: Das Wasser hier schmeckt überall nach Chlor, aber angeblich gewöhnt man sich nach einer Woche daran. Duschköpfe sind wohl standardmäßig fest montiert, und es gibt nur einen Hebel, mit dem man das Wasser steuert: Off ↔ Kalt ↔ Warm. Ich wundere mich auch nicht mehr, dass die Amerikaner Probleme mit starken Wintern haben. Die Fenster und Türen schließen auch hier nicht richtig. Überall kommt ein Strom kalter Luft durch. Zum Glück liegt mir gerade Buddy auf meinen Füßen.“


Auf nach Philadelphia!


Nach einem mehr oder weniger schlaflosen Flug ist Lars am Newark Airport gelandet. Bevor es weiter nach Philadelphia geht, bietet sich natürlich noch ein Besuch in der Millionenmetropole New York an:

„Ich ging davon aus, dass in Newark eine Million Menschen herumlaufen, dass ich ca. 2h für die Passkontrolle brauche, dass alles so riesig ist, dass ich nicht den Weg ins Hotel finde. In einem Punkt behalte ich Recht: Ich finde den Weg nicht sofort. Wir landen ca. 15:55, und 20 Minuten später bin ich schon durch Passkontrolle und Zoll durch. Mein Koffer ist natürlich nicht über dem Atlantik verloren gegangen, da haben die Wale Pech gehabt. Nach einigem Suchen am Flughafen bringt mich schließlich ein Shuttle Service zum Wyndham Garden Hotel – meinem Schlafplatz für heute Nacht. Am nächsten Morgen geht es zum Times Square, dann auf nach Philadelphia.

Unterwegs entsteht auch mein Selbstportrait. Im Hintergrund ist eine Gruppe von lustigen Leuten zu sehen, die den St. Patricks Day in „nur ein bisschen grün“ feiern. Der Time Square ist seit 2009 größtenteils Fußgängerzone.“



Skyline von New York vom Flughafen Newark aus gesehen.
Rechts ganz neu: Der Freedom Tower.

Auf dem Weg durch New York zum Bus nach Philly: Am Saint Patrick's Day und bei -3° Kälte.